Prolog

Auszug aus der Schrift "Jenseits der See" des Joran von Utwald:

 

"Weitaus seltsamer als die zuvörderst bezeichneten 'Inseln der Dämmerung' ist jedoch die 'Insel ohne Namen', deren Kunde noch jung ist. Wenig Verbürgtes ist zu jener Insel bekannt. Erste Berichte erreichten unsere Welt aus wenig berufenem Munde - war es doch der garstige Schurke Robrack Einauge, der mit seinen Spiessgesellen im wütenden Toben der Winterstürme auf seinem Schmugglerschiff an ferne Gestade verschlagen wurde, die keine Karte bislang verzeichnet hatte. Hernach mag man den Berichten eines solchen Strolches die gebotene Argwohn entgegenbringen.

Sei wie es sei, Robrack war nach seiner Rückkehr von der Insel ohne Namen ein gebrochener Mann. Mehr als die Hälfte seiner Spiessgesellen hatte er verloren an Stürme und die See, sein schwarzes Schiff ward nur noch mit einigen Tampen und viel Hoffnung zusammengehalten. Manche behaupten, er hätte seinen Verstand zusammen mit seinen engsten Gefährten auf See verloren. Wie anders sollte man seine seltsamen Berichte sonst erklären?

Diese Berichte erzählten von einer Insel, deren Grösse Robrack und seine Mannen selbst nach vielen Mondenläufen nicht hatten ermessen können. Egal wie weit sie gingen, stets fanden sie Neues, Unbekanntes. Völlig verlassen von jeglicher Menschenseele sei die Insel gewesen. Und dennoch fanden Robrack und seine Spiessgesellen an ihren Gestanden die Überreste längst untergegangener Siedlungen. Jedoch fand man nirgends Gräber, keine Überlebenden, keine Gebeine.

Die Insel selbst beschrieb Robrack als seltsam und furchterregend. Je tiefer er und seine Mannen ins Innere der Insel vordrangen, desto Merkwürdigeres entdeckten sie. Wohl war die Insel reich an Wundern und Schönheiten, aber Gefahren und Tod waren niemals fern. Viele von Robracks Mannen berichteten, dass sie in so mancher tiefen, dunklen Nacht geschworen hätten, dass die Insel selbst wie ein Wesen sei - mit eigenem Willen und geheimnisvoller Seele.

So rätselhaft wie Robracks Bericht ist auch seine Rückkehr. Will man seinen Berichten Glauben schenken, dann schienen die See und der Wind selbst sich gegen ihre Heimkehr zu stemmen. Als ob die Elemente verzweifelt Robracks Rückkehr in unsere Welt verhindern wollten. Robrack soll sich seither unablässig fragen, ob dieses Aufbäumen geschah um die Insel vor unserer Welt zu schützen, oder unsere Welt vor dieser Insel. Manche sagen, über diesem Rätsel hätte Robrack seinen Verstand verloren.

Sei wie es sei, die Insel ohne Namen hat die Schatten der Mythen und Legenden verlassen. Sie ist irgendwo dort draussen, zumindest darin sind sich die Seher und Gelehrten einig. Doch nur die Verzweifeltsten und die Hoffnungsvollsten unter uns rüsten sich in diesen Tagen, um mit den wenigen Kapitänen hinaus zu segeln, welche für die Aussicht auf unbekannten Lohn ihre Linienschiffe für eine Fahrt ohne Wiederkehr hergerichtet haben. Hinaus in eine unbekannte Zukunft, hin zu einer geheimnisvollen Insel ohne Namen."